Dieter Wöbbekind, der Talentsucher

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Seine Referenzen sind mehr als vorzeigbar. Dieter Wöbbekind hat als Trainer in den 1970er- und 1980er-Jahren beim baden-württembergischen VfL Waiblingen jugendliche Mittel- und Langstreckenläufer zu 17 Titeln bei Deutschen Meisterschaften und zu 54 Landesmeistertiteln geführt.

Nach einem kurzen Intermezzo beim TV Werne als Kindertrainer hat sich der 60-Jährige nun dem SC Eintracht Hamm angeschlossen. Ihm gefolgt ist eine vierköpfige Trainingsgruppe, von denen drei Nachwuchsläuferbislang dem TV Werne angehörten. Das sind Bianca Gößmann (18 Jahre), Maximilian Schmitz-Klüner (14) und Uilani Schmidt (12). Der vierte in dieser Gruppe ist der 13-jährige Dennis Bandl. Den früheren Fußballer des Werner SC bezeichnet Wöbbekind als „Glücksfall“ und großes Talent. „Am meisten erwarte ich von Dennis“, meint der Trainer. „Es macht mir einfach Spaß“, sagt Bandl über seine neue Leidenschaft. Als fünfte Werne Läuferin hat sich die 15-jährige Jana Strangemann dem SCE Hamm angeschlossen. Sie gehört mittlerweile dem Sprintteam des SCE an.

Wöbbekind sieht in seinen Übungen „grundsätzlich kein Hallentraining“ vor. So arbeitet er mit der Gruppe donnerstags und samstags im Werner Stadtwald und zudem dienstags auf der Tartanbahn im Hammer Jahnstadion. Auch vom Intervall-Training, bei dem auf eine kurze intensive Belastung eine kurze Pause folgt, hält der Trainer nicht viel. Er bevorzugt längere Läufe mit größeren Erholungspausen. So läuft das Werner Quartett donnerstags drei große Runden zu je 3333 Meter - und das in hohem Tempo. „Das ist eine andere Leistungsintensität“, sagt die Gymnasiastin Bianca Gößmann über das Training unter Wöbbekind. „Wenn ich ein Talent erkenne, dann hoffe ich, etwas daraus machen zu können“, sagt der Trainer.

Mit der Leichtathletik-Abteilung des TV lief es nicht rund. Er hatte sich dort als Jugendtrainer angeboten. „Die kannten nicht einmal den VfL Waiblingen. Die haben mir ein paar kleine Mädchen gegeben, die keine richtige Lust hatten“, sagt Wöbbekind: „Ich habe mir das zwei Monate angeschaut und entschieden: Das liegt mir nicht.“ Die TV-Läufer, darauf legt der Lauftrainer wert, hat er nicht abgeworben: „Das habe ich ihnen freigestellt. Ich wollte sie ja nicht aus ihrem Umfeld herausreißen.“

Erstmals trat die Wöbbekind-Trainingsgruppe beim Westerwinkel-Lauf in Herbern Anfang November in Erscheinung. So gab es für Dennis Bandl im Trikot des SCE Hamm bei seinem ersten Rennen über fünf Kilometer in 20:48 Minuten einen deutlichen Sieg in der Altersklasse M13. Uilani Schmidt, Bianca Gößmanner und Maximilian Schmitz-Klüner komplettierten die Erfolge. Sie bilden im neuen Jahr zusammen mit den Hammer Nachwuchsathleten von Trainer Wöbbekind ein starkes Team.

Ein solches hatte er 1978 beim VfL Waiblingen zusammen. „Ich hatte drei bis vier Talente und einige Arbeiter“, so Wöbbekind. Peter Horak lief etwa über 800 Meter hervorragende 1,46 Minuten. Er wurde auch 1980 und 1981 Deutscher Meister über 5000 und 10000 Meter. Jürgen Groth sowie die Zwillinge Ulrich und Herbert Renz waren die weiteren Talente, die DM-Medaillen am Fließband gewannen. 1983 überwarf sich Wöbbekind mit den Waiblingern und führte dann Robert Dreher für die Post SG Stuttgart zum Titel bei der Deutschen Meisterschaft der A-Junioren über 10000 Meter.

Doch „dann kam kein Nachwuchs mehr“, sagt Wöbbekind, der seit Ende der 1980er-Jahre pausierte - bis er nach einem Standortwechsel nach Westfalen als Rentner seine alte Leidenschaft wieder entdeckt hat.

von Westfälischer Anzeiger (Werne/Bergkamen), 28.12.2008

 

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